Ich brauchte noch einige Wochen, bis sich der Entschluss zu einem Erstgespräch in der Klinik durchsetzte. Das ist über vier Jahre her, ich bin heute trocken und lebendig.
Für die Abstinenz gibt es kein allgemeingültiges Rezept. Das sage ich jedem, der mich danach fragt, wie ich da herausgekommen bin. Die Heilung erfordert ein hohes Maß an Disziplin und Konzentration, damit die trockene Spur gehalten wird. Das ist der berühmte "Kampf", von dem jeder trockene Alkoholiker spricht. Bei seelischen Missständen wie Stress, Schmerz, Wut usw. muss sich klar auseinandergesetzt werden. Jeder trockene Alkoholiker erlernt zudem sozusagen seinen persönlichen Neubeginn und lebt mit einem Mal ungeahnte und junge Träume. Er entdeckt

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sie und hat Freude daran sie zu schützen und zu pflegen. Ich folgte dem Wunsch, die Menschen, die unter meiner Alkholsucht sehr gelitten haben, das erste Mal glücklich zu machen, wieder gut zu machen, ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, sie zu befreien, denn damit befreite ich mich selbst. Das war mein höchstes Glück, denn ich liebte jene Menschen, denn ich liebte es mich ohne Flasche zu erleben, ohne widerliche Alkoholfahne. Ich fühlte wie sich mein Körper vom Gift befreite und mein Herz ohne Angst schlug. Das war das schönste Lebensgefühl, dass ich je empfunden habe. Darum will ich nie wieder tauschen und der dann und wann auftretenden höllischen Gier nach Alkohol nachgeben, auch wenn sie sich manchmal anfühlt, als würde sie mich auseinanderreißen. Sie schafft es nicht, denn ich will nicht.
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